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Exkursion: Industrie 4.0 bei Bosch in Homburg

Exkursion: Industrie 4.0 bei Bosch in Homburg
Autor:

Philipp Weisser

Datum: 2016/07/08

Bericht

Exkursion_Bosch

Am 8.07.2016 waren wir bei Bosch in Homburg zu Gast. Das dortige Werk des Geschäftsbereich Diesel Systems ist globales Leitwerk für die Common Rail Einspritzeinheit, d.h. die dort entwickelten Prozesse werden später an allen anderen Standorten ausgerollt.

Die Industrie 4.0 Auffassung von Bosch lautet: „Fusion der physischen Welt und der Produktion mit der virtuellen Welt der Informationstechnologie und des Internets.“ Dabei sieht sich Bosch als Vorreiter und erhofft sich dementsprechend Arbeitsplatzzuwächse sowie eine Stärkung des High-Tech Standorts Deutschland. Ferner erwartet Bosch eine bis zu 30 prozentige Produktivitätssteigerung durch die Technologien der vierten industriellen Revolution. Das Unternehmen selbst verfolgt dabei eine Doppelstrategie, die sich aus seiner Rolle als Leitanwender und Leitanbieter von Industrie 4.0 Lösungen ableitet. Diese Doppelfunktion wird als strategischer Vorteil gegenüber anderen Akteuren gewertet. Disruptiven Geschäftsmodellen neuer Player im Markt will Bosch durch eigene Start-ups zuvorkommen, die durch flache Hierarchien und verkürzte Entscheidungswege besonders  agil agieren und neue Trends besser antizipieren können.

Als Industrie 4.0 Enabler gelten:

  • Verfügbarkeit preisgünstiger Sensoren
  • CPU günstig und uneingeschränkt verfügbar
  • Speicher günstig und uneingeschränkt verfügbar
  • Data Mining
  • GPS Ortung
  • Verbesserung der Usability von Soft- und Hardware
  • flächendeckenden Zugang zum Internet
  • Performancevorteile durch dezentrale Netzwerke

Merkmale der Industrie 4.0 sind:

  • Der Mensch als Akteur wird unterstützt – nicht ersetzt
  • Schnelle Vernetzung und flexible Konfiguration
  • Offene Standards
  • Virtuelles Echtzeitabbild
  • Digitales Lebenszyklusmanagement
  • Sichere Wertschöpfungsnetzwerke
  • Verteilte Intelligenz

Dabei vereint die vierte industrielle Revolution sowohl evolutionäre als auch revolutionäre Elemente. In Deutschland ist sie durch die Plattform Industrie 4.0 jedoch stärker durch Industrieanwendungen geprägt, während das amerikanische Industrial Internet Consortium einen kundenorientierten Ansatz verfolgt.

Bei der Implementierung von Industrie 4.0 Anwendungen wird eng mit dem Betriebsrat zusammengearbeitet, da diese oftmals umfangreiche Daten sammeln, aus denen sich Rückschlüsse auf die MA Tätigkeit schließen lassen. Deshalb werden alle neuen Anwendungen diesem präsentiert und eine schriftliche Genehmigung für den Einsatz dieser eingeholt. In der vorhergegangenen Entwicklung der Anwendungen wird SCRUM angewendet um den MA bzw. sein Feedback in den Prozess miteinzubeziehen. Darin sieht das Bosch Team auch die größte Hürde für die Industrie 4.0 Implementierung, da zum einen eine große Qualifizierungslücke besteht und zum anderen viele MA befürchten, es werde eine menschenleere Produktion angestrebt. Deswegen betonte das Team sehr stark, dass es den Mensch lediglich unterstützen will. Anwendungen die wir kennengelernt haben, waren:

 

BPS wird bei Bosch quasi als Synonym zu Lean Management verwendet und ist in einer 3 gliedrigen Pyramidenstruktur aufgebaut. Die Spitze (Ziele) beinhaltet dabei die „Gestaltung und kontinuierliche Verbesserung der Auftragsabwicklung durch Verbesserung der Qualität, Lieferservice und Kosten“. Dabei werden vierteljährlich nie mehr als 3 Ziele formuliert, um die Erreichung dieser zu gewährleisten. Die mittlere Ebene (Prinzipien) besteht aus „Prozessorientierung, Ziehprinzip, Fehlervermeidung, Flexibilität, Standardisierung, Transparenz, Ständiger Verbesserung und Eigenverantwortung“. Die Basis (Bausteine) bilden Methoden wie 5S und TPM. Bei der Einführung von BPS ist Bosch zu Beginn der Fehler unterlaufen, dass sie eine Anreizstruktur für die Implementierung von Bausteinen entwickelt haben. Dies haben sie dann korrigiert, indem sie eine drei Phasen Einführung (1.Mindset bilden 2. Führen mit Zielzuständen 3. Verbesserung in kleinen Schritten) von BPS durchgeführt haben. Mittlerweile wird bei den MA Zeit für Lean geblockt, damit dieses nicht als zusätzliche Arbeitsbelastung  wahrgenommen wird. Zudem wurde die Bedeutung des Supports durch die höheren Hierarchieebenen unterstrichen. Diesen eine Plattform zu geben ihre Erfolge zu feiern und präsentieren sei dabei für die Überzeugung dieser entscheidend gewesen. Zudem können Abteilungsleiter und Meister sechs Monate aus ihrer Position ausgegliedert werde. Während dieser Zeit arbeiten sie in einem anderen Bereich an einem großen Lean Projekt, welches sie auch selbst identifizieren. Dabei durchlaufen sie alle notwendigen Schritte bis zum Projektabschluss und werden so ganzheitlich im BPS geschult. Danach kehren sie nicht in ihre alte Abteilung, sondern einen neue zurück, damit die nicht wieder in alter Verhaltensmuster verfallen.

 

Lean Management erachten das BPS und Industrie 4.0 Team als Enabler für die vierte industrielle Revolution, da stabile Prozesse eine zwingende Voraussetzung für die Implementierung dieser sind. Industrie 4.0 Anwendungen wurden dabei in der BPS Pyramide als Baustein auf derselben Ebene wie die Methoden 5S oder TPM eingeordnet, die die Zielerreichung ermöglichen. Im Zusammenspiel mit Lean sieht das BPS Team vor allem Vorteile in der kontinuierlichen Erfassung von Daten und Auswertung von Zeitreihen. Die daraus abgeleiteten Ergebnisse seien wesentlich zuverlässiger als die einer einmaligen, täglichen z.B. Bestandszählung. Diese können zum Beispiel durch eine kurz davor erfolgt Entnahme eines Großauftrages verzerrt sein, wohingegen sich bei Zeitreihen z.B. auch Überbestände in Kanbansystemen identifizieren ließen. Zudem werde der MA durch das Entfallen dieser stupiden Lean Tätigkeiten entlastet und könne in der gewonnenen Zeit anderen Lean Tätigkeiten nachkommen.

Von Seiten der Gastgeber war das Feedback an uns durchweg positiv. Wir seien die aktivste Studentengruppe, die bisher zu Gast war und die Diskussion habe auf einem sehr hohen Niveau stattgefunden.