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Exkursion: MTU Friedrichshafen

Exkursion: MTU Friedrichshafen
Autor:

Lukas Mauch

Datum: 2014/12/10

Am Mittwoch, den 10.12.2014, hatten 13 Mitglieder der Lean Hochschulgruppe die Möglichkeit, das Unternehmen MTU Friedrichshafen GmbH am schönen Bodensee zu besuchen. Nach der Abfahrt um 6.15 Uhr in Karlsruhe, waren alle drei Autos pünktlich in Friedrichshafen angekommen und wurden auch schon um 10 Uhr von Herrn Joachim, Senior Expert Lean Management, begrüßt.
Zunächst wurde uns in der Eingangshalle das Produktspektrum des Unternehmens vorgestellt und schnell wurde jedem klar, dass es hier vor allem um Dieselmotoren in verschiedenen Größen und Ausfertigungen geht. Die Produktpalette umfasst zum einen kleine Dieselmotoren, die jedoch von der Daimler AG produziert werden und für z.B. Kräne oder Landmaschinen verwendet werden. In Friedrichshafen werden größere Dieselmotoren produziert, die ihren Einsatz in der Energieumwandlung (z.B. Notstromaggregate für Krankenhäuser) haben, wobei der Großteil des Geldes mit Schiffsmotoren verdient wird. Berühmtester Kunde ist wohl Roman Abramovich, der gleich 4 MTU Dieselmotoren und eine MTU Gasturbine in einer seiner Yachten verbauen lies. Neben den Schiffsmotoren werden auch sogenannte „MTU Powerpacks“ hergestellt, die Züge der Kategorie „Einbau im Unterflurbereich“ mit einem MTU Dieselmotor antreiben.
Kurz darauf wurde uns in einem  Sitzungszimmer das Unternehmen MTU Friedrichshafen GmbH vorgestellt mit besonderem Augenmerk auf das selbst entwickelte Produktionssystem. Dieses wurde 2010 ausgearbeitet. Grund hierfür war das Problem hoher Bestände im Unternehmen. Bisher wurden zwar kleinere, lokale Verbesserungen gefördert, jedoch fehlte eine ganzheitliche Strategie um wertschöpfende Prozesse von verschwendungsreichen Tätigkeiten zu befreien. Daraufhin wurde eine grundlegende Wertstromanalyse durchgeführt und der Lean Gedanke mit Hilfe von Workshops und Schulungen an die Führungskräfte und Mitarbeiter weitergegeben. Um die Lean Expertise auf der Arbeitsebene zu intensivieren, werden betriebseigene „Lean Agents“ ausgebildet, die eine halbjährige Ausbildung durchlaufen und mehrere „Lean Projekte“ im Unternehmen durchführen. Dazu gehört auch das Verständnis des MTU Produktionssystem, das fünf Prinzipien verfolgt: Menschen bewegen (Go to Gemba, also Führung direkt am Ort des Geschehens zu sein), Veränderung zum Besseren (Standards/Kaizen), Null-Fehler (Poka Yoke), Verschwendung vermeiden und eine synchrone Produktion (Produktion im Kundentakt). Eine besondere Herausforderung hat MTU vor allem bei der Beherrschung der Komplexität, die aus der großen Variantenvielfalt resultiert. Fast jeder Motor ist kundenspezifisch angepasst und kann nicht in großen Serien produziert werden. Laut Aussage des Referenten ist  der Lean Gedanke im Bereich Operations, also in Produktion/Logistik, schon stark vorangetrieben. Jedoch kommt er erst jetzt in den angrenzenden Bereichen, wie Vertrieb und Application Engineering, zum Tragen.
Nach der einstündigen Präsentation wurde die Gruppe von zwei Lean Agents durch die Montagehalle der 2000er und 4000er Motoren geführt. Beide Linien sind nach dem Flussprinzip aufgebaut, wobei die Schwierigkeit bei den großen 4000er-Motoren darin besteht, dass aus gebäudetechnischen Gründen die Montagelinie mit ihrem Kettenfördersystem auf einem 40cm hohen Podest verläuft. Der Höhenunterschied erfordert den Einsatz von Staplern oder Kränen, was alles andere als verschwendungsfrei zu bezeichnen ist. Neben den Montagelinien befinden sich Vormontagen, die Teile des Motors vorbereiten, um die noch hohe Taktzeit eines Motors bei durchschnittlich 96 min weiter zu verringern. Schnell fiel auf, dass bereits einige Lean Methoden umgesetzt wurden, wie z.B. Kanban, Andon-Boards, Hancho Ruf und markierte Stellplätze. Besonders auf die Visualisierung wurde bereits großen Wert gelegt, um Abweichungen vom Standard schnell sichtbar zu machen. Kennzahlentafeln werden ebenfalls eingesetzt, genauso wie Kaizen- Boards für Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern. Außerdem wurden uns zwei Neuerungen vorgestellt. MTU hat das große Ziel, in Zukunft keine Arbeitsunfälle beklagen zu müssen. Dafür wurde bereits eine Schulungszone (Trainings-Dojo) für Mitarbeiter eingerichtet, in denen Trainings angeboten werden, um den richtigen Umgang mit verschiedenen Werkzeugen zu vermitteln. Das gleiche Prinzip soll nun auch zum Thema Qualität durchgeführt werden.
Alles in allem war die Werksführung sehr interessant und überaus beeindruckend, was der Größe der Motoren zuzuschreiben war. Außerdem wurde klar, dass noch einiges Verbesserungspotenzial vorhanden ist und man als Lean Agent noch einige Themen anpacken kann, die sehr erfolgsversprechend sind. Anders als in der Automobilindustrie sind nach Aussage der Lean Agents durch weitere Projekte beispielsweise Taktzeitverbesserungen im Minutenbereich sehr gut möglich.

Damit war die Zeit bei MTU Friedrichshafen nach mehr als 2 Stunden vorbei und das gemeinsame Mittagessen wurde auf den Weihnachtsmarkt in Friedrichshafen verlegt. Anschließend wurde einstimmig beschlossen, noch das Dornier Museum in Friedrichshafen zu besuchen. Dabei handelt es sich um ein Luft- und Raumfahrtmuseum, das die 100 jährige Geschichte der Firma Dornier aufzeigt. Hier werden ca. 400 Exponate vorgestellt, wobei darunter 12 Originalflugzeuge, aber auch 1:1 Nachbauten aus der Luft- und Raumfahrt ausgestellt sind. Für sein fünfjähriges Bestehen in 2014 ist das Museum noch relativ jung und folglich sehr modern. Als überraschender, zusätzlicher Programmpunkt entpuppte sich eine Flugshow über dem Museum, die auf Grund des gerade stattgefundenen 1. Internationalen Symposiums der Luft- und Raumfahrtmuseen abgehalten wurde und die herausragende Technik der Firma Dornier eindrucksvoll zur Schau stellte. Im Laufe des Nachmittags wurde schließlich die Heimreise angetreten und alle Teilnehmer kamen sicher zurück nach Karlsruhe.
Abschließend ist zu sagen, dass trotz des relativ kurzen Besuchs der Firma MTU in Friedrichshafen ein sehr guter Eindruck des Unternehmens vermittelt werden konnte und es mehr als interessant war, ein Unternehmen außerhalb der Automobilindustrie zu besuchen. Vielen Dank an Martin Bugla, der die Exkursion hervorragend organisiert hat. Vielen Dank an MTU, Herrn Joachim für die Einführung und Frau Schiele für die Führung.